Definition

Die Klangliege ist ein Monochord. Es werden 38 Saiten gespielt, die Schallwellen erzeugen. Nachdem diese Schallwellen etwas bewirken sollen, fällt die Behandlung mittels Klangliege unter Musiktherapie.

Andererseits ist die Klangliege ein Vehikel, mittels welchem wir eine Trance induzieren wollen. Es sollen also andere Bewusstseinszustände als das Alltagsbewusstsein hervorgerufen werden. Damit ist die Klangliege auch ein Werkzeug für Trancen.

Wissenschaftlicher Background und Erklärungsmodell

Die wahrscheinlich wichtigste anatomisch-physiologische Struktur zur Gesundheit ist das komplexe System des Vagusnervs. Der Vagus ist das System, welches eine erhöhte Erregung wieder herunterreguliert. Aber er hemmt auch gleichzeitig Entzündungen. Damit hat er neben seinen Funktionen der Autoregulation, wie z.B. Verdauung, zwei wichtige Aufgaben: Angst Reduktion und Antiinflammation.

Wenn man sich die derzeit wichtigsten Zivilisationserkrankungen, wie Depression, Krebs, Stoffwechsel und Herz- Kreislauferkrankungen, Autoimmunerkrankungen u.v.m., ansieht, findet man ausreichend Zusammenhänge mit Angststörungen bzw. Depression, aber auch mit Silent Inflammation. In diesem Kontext ist es in erster Linie der Vagus, der hier deutliche Schwächen zeigt.

Die Störungen liegen also sehr tief, im Stammhirn, welches in Bezug auf die Evolution schon vor den Säugetieren vorhanden war. Daher sind Störungen in dieser Region schwer mit Worten erreichbar, also kognitive Therapie kaum erfolgreich. Man geht in der wissenschaftlichen Medizin davon aus, dass es nur drei therapeutische Möglichkeiten gibt, in diese Region einzugreifen:

Meditation, Hypnose – Trance, Musik

Mit der Klangliege, als eine Kombination von Klang und Trance, hat man daher gute Erfolge bei vielen KlientInnen mit Angststörungen und den nachgeschalteten Erkrankungen. Doch nicht nur die Angst wird herunterreguliert, sondern auch Entzündungsparameter verbessern sich. Denn Angst und Entzündung scheinen eins zu sein.

Neben dem wissenschaftlichen Ansatz gibt es auch ein Modell, Bilder aus der traditionellen Medizin, die helfen, das Prinzip hinter der Klangliegenanwendung besser zu verstehen. Wir kennen in der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) fünf Elemente, ähnlich wie in der TCM. Es sind dies Wasser, Äther, Feuer, Erde, Luft. Wasser ist das stärkste Element, aus dem alles geboren ist. Es herrscht hier Adualität, also Einheit. Und hier wird Urvertrauen aufgebaut, wie beim Embryo im Fruchtwasser. Und entsprechend der Schilderungen von Patienten auf der Klangliege bewirkt diese Eigenschaften, die dem Wasser entsprechen. Zum Element Wasser gehören auch die Nieren, dort wo aus traditioneller Sicht die Angst sitzt. Wenn durch die Klangliege, wie eben beschrieben, das Urvertrauen in das Leben gestärkt wird, reduziert sich damit automatisch die Angst; und das ohne Worte.

Auch die Schilderungen, dass sich alles auflöst, die Schwerkraft, der Körper, und die Person mit der Umgebung, den Tönen verschmilzt, entspricht der Adualität im Element Wasser. Also steht die Klangliege für dieses Element. Es passiert hier offensichtlich mit vielen Menschen etwas, das vergleichbar mit der embryonalen Phase ist. In dieser ist ja das Stammhirn die erste Struktur des Gehirns, welche sich entwickelt. Und so kommen Tradition und Moderne wieder zusammen.

Die wissenschaftliche Medizin des Westens ist nicht immer ausreichend über die Methoden des Ostens informiert. Aus verschiedensten Studien scheint es aber so zu sein, dass auch andere Methoden wie Qi Gong, Atemtherapie, Akupunktur und natürlich Phytotherapie Einfluss auf Angststörungen und damit auf den Vagus haben. Aber sie alle haben gemein, dass es ohne Kognition funktioniert. Und je mehr und vielschichtiger meine Instrumente in der Behandlung sind, desto größer ist auch mein Erfolg als AnwenderIn. Es scheint ein gleichzeitiger Ansatz auf verschiedenen Ebenen immer ein sinnvoller Weg zu sein.

Einsatzgebiete

Es gibt kaum Krankheiten, bei denen keine geschwächte Stressachse im Spiel ist. Wir wissen nicht genau, was früher war, Henne oder Ei, Stressparameter oder Inflammation. Aber das ist auch nicht so wichtig, wenn Angst und Depression auch als Entzündungserkrankung gesehen werden kann. Genauso wie Silent Inflammation als einer der Hauptfaktoren für schwere Zivilisationserkrankungen gesehen wird, ist es die geschwächte Stressachse mit dem Vagus ebenso. Sowohl bei Karzinomen wie auch bei Herz-Kreislauferkrankungen und auch beim Diabetes spielt dies scheinbar eine große Rolle. Genauso, wie wir bei Depression auch die Entzündungshemmung nicht vergessen dürfen. Damit ist der Einsatzbereich einer Klangliege enorm. Vorrangig sind natürlich so schwere Krankheiten wie Karzinome, Herzinfarkte und Depression. Aber auch bei Parkinson, ADHS, Autismus, Alzheimer sind die Ergebnisse sehr gut. Patienten berichten, dass sie von dieser Anwendung den größten Nutzen haben, noch vor den Medikamenten.

Generell kann man sagen, dass der Einsatzbereich bei einer erhöhten Erregung (Arrousal) im Stammhirnbereich zu sehen ist. Es ist dabei nicht so wichtig, woher diese stammt; kann sein durch Angst, Burnout, Depression, Aggression, erhöhte Zytokine und Stresshormone, chronische Entzündungen.

Natürlich ist Prävention in jedem Fall zu bevorzugen. Dafür eignet sich die Klangliege besonders gut. Wenn es gelingt, Menschen rechtzeitig dazu zu motivieren, erstens sich selbst besser kennenzulernen und zweitens durch transzendente Erfahrungen geistig und seelisch zu wachsen, dann ist die Wahrscheinlichkeit für schwerere Krankheiten doch geringer.

 

Abschließend können wir festhalten, dass es sich bei der Klangliegenanwendung um eine Anwendung mit Schwingungen handelt, was auch immer diese im Detail bewirken. Es sind allerdings keine elektromagnetischen Schwingungen, sondern Schallwellen. Damit hebt sich diese Anwendung von anderen, nämlich solchen der Materie (Pflanzen oder Medikamente) oder der Energie (Wärme oder elektromagnetisch Wellen wie Strombehandlungen und Magneten) deutlich ab. Vielleicht könnte man hier etwas wie Information als dritte Komponente des Seins postulieren. Wie auch Anton Zeilinger, österreichischer Quantenphysiker, formuliert:

"Es gibt ein Konzept von Raum und Zeit. Aber das Wichtigste Konzept dürfte das der Information sein."

Dass wir Information über Schallwellen erhalten, ist nichts Neues. Es beginnt bereits als Embryo im Mutterbauch und ist entscheidend für das weitere Leben. Damit konnte ich den Kreis schließen.

Dr. Gerhard Kögler